
Mercedes-Benz Welt
Lobrede an die Ästhetik
In dieser Ausgabe berichten wir zum letzten Mal über die Mercedes-Benz Welt. Denn am 20. Mai wurde bereits große Eröffnung gefeiert.
Mit dem Mercedes-Benz Museum wird Stuttgart um eine weitere einzigartige Attraktion reicher. Einzigartig ist das Museum nicht nur, weil es das größte der Welt mit Ausstellungsstücken einer Automarke ist. Es ist einzigartig, weil es solch eine Architektur nirgendwo auf der Welt gibt. Weil es jetzt schon Architekturgeschichte schreibt. Einzigartig ist auch, dass bei der Planung und Realisierung Methoden zur Anwendung kommen, die eigens für dieses Projekt entwickelt worden waren.
Die Mercedes-Benz Welt wird jetzt schon von den Medien hochgelobt. Über sie wird gesprochen wie über ein wertvolles Stück Kunst. Journalisten suchen Vergleiche, versinken in Metaphern, um sich diesem Gebilde anzunähern, um dieses Objekt beschreiben zu können, dass da im Stuttgarter NeckarPark steht wie ein Ding, das gerade aus der fernen Zukunft gelandet ist.
Das Wochenmagazin "Die Zeit" zählt das Museum zum "Großartigsten, was in jüngster Zeit gebaut wurde", bezeichnet es als "Barock aus dem Rechner" und sieht in ihm den Vorreiter einer neuen Epoche, der "Digitalmoderne".
Architektur voller Bewegung
Die Architektur steckt voller Bewegung. Von außen wirkt das schichtartig aufgebaute Gebäude wie eine Torte aus angeschmolzenem Glas und Stahl. Im Inneren herrscht als Material Sichtbeton vor, der aber keineswegs starr zu sein scheint: Im Atrium stehend fühlt sich der Betrachter beim Blick nach oben plötzlich wie in einem riesigen Kreisel gezwirbelt, wie im Auge eines Tornados stehend.
Damit machen wir gleich einen Abstecher zur technischen Ausstattung des Museums: Denn das weltweit einzige Entrauchungssystem des Mercedes-Benz Museums funktioniert nach dem Prinzip eines Wirbelsturms. Reguläre Systeme mit Brandschutztüren greifen nicht, da alle Ausstellungsräume miteinander verbunden sind.
Im Falle eines Brandes erzeugen ein Deckenventilator und schräg in den Atriumwänden eingelassene Düsen eine künstliche Windhose, die den Rauch aus den Ausstellungsräumen zunächst ins Atrium zieht und von dort nach oben absaugt.
An den Grenzen des Möglichen
Die einzelnen Fassaden-, Wand- und Deckenflächen sind oft mehrfach gebogen. Kein Teilstück des Mercedes-Benz Museum wiederholt sich. Um die Pläne dafür gestalten zu können, mussten eigene Computerprogramme entwickelt werden. Noch vor 10 Jahren hätten die Berechnungen dafür die Kapazitäten der Computer gesprengt.
Das Gießen der Computeranimationen in Stahlbeton bedeutete eine weitere Herausforderung. Die herkömmlichen zwei Holzverschalungen für die Herstellung von Stahlbeton genügten den Anforderungen an die Aufgabe natürlich nicht. Die mit der Umsetzung beauftragten Firmen mussten daher neue Wege finden, um die komplizierten Betonteile herstellen zu können. Die Lösung brachten stabile Holzkästen, die als Stützkonstruktion dienten; darin wurden dann feine hölzerne Bretter in der gewünschten Form eingepasst. Unter dem Druck des hineingegossenen Betons gaben die Bretter dann nochmals flexibel nach; der Beton erhielt eine geschmeidige, natürliche Form. Jedes Teil wurde individuell auf diese Weise angefertigt, denn im Mercedes-Benz Museum existieren keine zwei identischen Formen. Deshalb ist der Sichtbeton im Inneren eine sehenswerte Besonderheit des Museums.
Höhepunkte aus der Mercedes-Geschichte
Die architektonischen Highlights des Mercedes-Benz Museums sollen jedoch nicht vom Betrachten der großen Automobilsammlung abhalten. 175 Ausstellungsstücke gibt es zu sehen, davon 95 Personenwagen, 40 Renn- und Rekordfahrzeuge und erstmals 40 Nutzfahrzeuge.
Es gibt die Möglichkeit, das Museum auf zwei verschiedenen Rundgängen zu erkunden, die jeweils von oben nach unten verlaufen. Die Collectionsräume beleuchten jeweils thematisch geordnete Sammlungen berühmter Mercedes-Benz Originale. Darunter sind der Große Mercedes 770 von Kaiser Wilhelm II. oder der Mercedes SL von Prinzessin Diana.
Die Mythosräume laden dagegen zu einer Reise durch die 120-jährige Geschichte der Automarke ein.
Bis zwei Monate vor der Eröffnung war an der Möblierung des Museums gearbeitet worden. Die Bodenbeläge, z.B. aus Terrazzo oder Parkett wurden hergestellt. Schreiner bauten Vitrinen, Podeste, die Wände und Decken einiger Räume wurden verkleidet. Vor allem in den Mythosräumen soll durch die Verwendung spezieller Materialien der Zeitgeist bestmöglichst wiedergespiegelt werden.
Bei der Bestückung des Museums griffen die Museumsgestalter dabei auf die Highlights der 500 Stücke umfassenden Sammlung zurück, darunter auch Stücke des Classic-Centers in Fellbach. Danach lief bis zur Eröffnung der Probebetrieb im Museum. Durch die Simulation des späteren Tagesbetriebs sollten mögliche Schwachstellen gefunden und beseitigt werden.
Mehr Infos unter www.mercedes-benz.com/welt |